Strom ohne Atom und Moratorium Plus
Ziel der beiden Volksinitiativen ist dasselbe: Abstellen unserer sicheren und zuverlässigen Kernkraftwerke - und niemand weiss, woher der Strom kommen soll, der heute von unseren Kernkraftwerken produziert wird.
In die Entwicklung von alternativen Energien wie Sonne und Wind wurde in den letzten 30 Jahren viel Geld investiert. Trotzdem tragen sie nur einen kleinen Teil zu unserer Stromversorgung bei. Dies wird sich in absehbarer Zeit kaum ändern, denn weder die physischen Grundgesetze noch die geographischen Verhältnisse (Menge an Wind) lassen sich von Menschenhand verändern. Als einzige langfristig erneuerbare Energiequelle darf wohl die Wasserkraft zählen. Doch genau dieselben Kreise, die jetzt den Ausstieg aus der Atomenergie proklamieren, wehren sich gegen jeglichen Neubau oder Ausbau von Wasserkraftwerken (z.B. Grimsel West). Also bleibt der Bau konventioneller Kraftwerke mit Gas oder Oel. Doch auch dies kann in Zeiten des erkannten Treibhauseffekts keine Alternative darstellen. Sind wir bereit, unsere strommässige Unabhängigkeit aufzugeben, so haben wir natürlich die Möglichkeit, den Strom aus dem Ausland zu importieren, sei es aus Kohle oder fossilen Kraftwerken aus dem Ruhrgebiet oder aus Atomkraftwerken aus dem Osten oder aus Frankreich. Doch als global denkende Menschen müssen wir auch diese Alternativen ablehnen. Selbst die Windenergie aus der Nordsee dürfen wir nicht mit echt gutem Gewissen einsetzen, denn die Überbauung der Nordsee mit Windmühlen lässt sich mit unserem Umweltverständnis auch nicht vereinbaren. Zu unseren sicheren und sauberen Kernkraftwerken gibt es im Moment keine echten Alternativen, die ebenso umweltschonend wie ökonomisch sind. Die Initiative Strom ohne Atom verlangt, dass die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg im Jahre 2005 abgestellt werden, Gösgen 2009 und Leibstadt 2014 - 40% unserer heutigen Energieproduktion wird wegfallen. Gemäss Initiativtext darf als Ersatz kein Strom verwendet werden, der aus fossil betriebenen Anlagen stammt. Einzig thermische Kraftwerke, die gleichzeitig die Abwärme nutzen, werden akzeptiert. Die Initiative will weiter die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente verbieten. Das bewährte und ressourcenschonende Recycling darf demnach nicht weitergeführt werden. Die Initiative Moratorium Plus verlangt einen referendumsfähigen Bundesbeschluss für den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken, die länger als 40 Jahre in Betrieb sein sollen. Der wesentliche Unterschied zum seinerzeitigen Kernenergiemoratorium besteht darin, dass während einer Periode von 10 Jahren mit wiederholten Volksabstimmungen immer wieder in den Betrieb und die Wirtschaftlichkeit bestehender Anlagen eingegriffen werden soll. Das Volk dürfte also im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre über den Weiterbetrieb eines Atomkraftwerkes abstimmen. Bundesrat und Parlament stellen den beiden Initiativen mit dem Kernenergiegesetz einen indirekten Gegenvorschlag. Die Beratung wird in der Frühlingssession abgeschlossen. Das Gesetz dürfte vermutlich einen für mich akzeptablen Kompromiss beinhalten. Ich habe, gleich wie Bundesrat, National- und Ständerat die beiden Volksinitiativen abgelehnt und bat Sie, dasselbe zu tun. NEIN zu "Strom ohne Atom" und NEIN zum "Moratorium Plus". Das Schweizervolk hat die Volksinitiative am 18. Mai 2003 mit 66,3 % (Strom ohne Atom) und 58,4 % (Moratorium Plus) der Stimmenden abgelehnt. E-Mail: hansruedi.wandfluh@wandfluh.com Back